Wenn heute mehr auf dem Boden landet als im Mund …
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Wenn dein Baby Essen auf den Boden wirft, kommt schnell der Gedanke: ‚Sie hat heute eigentlich gar nichts gegessen.‘
Dabei stimmt das oft gar nicht.
Denn für Babys und Kleinkinder bedeutet Essen viel mehr, als einfach satt zu werden.
Heute wurde vielleicht eine Gurke vorsichtig zwischen den Fingern gedreht. Die Banane ausgiebig zerdrückt. Ein Stück Brokkoli neugierig angeschaut und anschließend mit voller Überzeugung unter den Tisch befördert.
Für uns Erwachsene sieht das nach Chaos aus.
Für Kinder ist es Lernen.
Little Mythos:
„Mein Baby wirft das Essen auf den Boden, weil es ihm nicht schmeckt.“
Das kann sein, aber es ist nicht die einzige Erklärung. Beim Essenlernen probieren Kinder auch mit den Händen aus, wie sich Lebensmittel anfühlen und was passiert, wenn sie sie fallen lassen. Vielleicht ist dein Baby schon satt oder gerade mehr mit Entdecken als mit Essen beschäftigt. Ein einzelnes Stück auf dem Boden sagt deshalb noch nicht, ob es deinem Kind schmeckt. Schau lieber auf die ganze Mahlzeit und biete das Lebensmittel bei Gelegenheit entspannt wieder an.
Beikost ist nicht nur der Moment, in dem euer Kind neue Lebensmittel kennenlernt. Sie ist auch eine Zeit voller kleiner Experimente.
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Mit jeder Mahlzeit entdeckt euer Kind neue Farben, Gerüche, Formen und Konsistenzen. Ganz nebenbei trainiert es seine Hand-Auge-Koordination, seine Feinmotorik und lernt, Lebensmittel selbstständig zum Mund zu führen.
All das gehört genauso zum Essen wie der erste Bissen.
Irgendwann kommt fast immer der Moment.
Die Nudel landet auf dem Boden.
Dann noch eine.
Und noch eine.
Nicht selten schauen Kinder danach gespannt zu Mama oder Papa. War das Absicht?
Meistens nicht.
Kinder möchten herausfinden, was passiert.
Kinder sind von Natur aus kleine Forscher:innen. Sie möchten verstehen, wie ihre Welt funktioniert und dazu gehören auch die Lebensmittel vor ihnen.
Für uns sind das alltägliche Dinge. Für Kinder sind es spannende Experimente. Sie entdecken dabei ganz nebenbei Zusammenhänge wie Schwerkraft, Ursache und Wirkung, unterschiedliche Materialeigenschaften und lernen, wie ihre Handlungen ihre Umgebung beeinflussen.
Und manchmal beobachten sie natürlich auch ganz genau, wie Mama oder Papa reagieren. Nicht, um zu provozieren, sondern weil auch unsere Reaktion Teil ihres Lernens ist.
Was für uns wie absichtliches Chaos aussieht, ist für Kinder oft nichts anderes als pure Neugier.
Wenn unser Kind das Essen auf den Boden wirft oder mit den Händen durch den Kartoffelbrei fährt, sehen wir oft nicht nur den Moment.
Wir denken weiter.
Was, wenn es das jetzt immer macht?
Was, wenn es nie lernt, ordentlich mit Besteck zu essen?
Sollte ich das jetzt verbieten?
Vielleicht liegt das auch daran, dass viele von uns selbst anders groß geworden sind. Essen war etwas, das möglichst ordentlich ablaufen sollte. Es wurde sitzen geblieben, aufgegessen und mit Besteck gegessen, oft schon sehr früh.
Deshalb fühlt sich das Chaos manchmal falsch an.
Dazu kommt die Angst vor den Blicken anderer. Im Restaurant. Bei den Großeltern. Oder beim Blick auf scheinbar perfekte Familienmomente in den sozialen Medien.
Doch Entwicklung verläuft selten geradlinig.
Kinder lernen nicht, obwohl sie ausprobieren dürfen.
Sie lernen weil sie ausprobieren dürfen.
Erst bei dir selbst ansetzen
Essen auf dem Boden kann ganz schön nerven, besonders, wenn du gerade gekocht hast oder danach noch aufräumen musst. Du musst das nicht toll finden. Vielleicht hilft es, dir vor der Mahlzeit kurz zu überlegen, was den Moment für dich leichter macht: eine kleine Portion auf dem Teller, eine abwischbare Unterlage oder der Gedanke, dass heute nicht jeder Bissen im Mund landen muss.
Versuch, nicht aus dem ersten Impuls heraus zu reagieren. Einmal tief durchatmen, ruhig bleiben und dir eine einfache Grenze zurechtlegen kann schon helfen. So muss aus einem Stück Brokkoli auf dem Boden kein großer Konflikt werden.
Grenzen setzen
Ausprobieren darf sein und trotzdem könnt ihr als Familie Regeln rund ums Essen haben.
Sag kurz und ruhig, was gilt:
„Das Essen bleibt auf dem Tisch. Wenn du es nicht mehr möchtest, kannst du es hier ablegen.“
Dafür könnt ihr einen kleinen Teller oder eine Schale für Lebensmittel bereitstellen, die dein Kind nicht mehr essen möchte.
Landet trotzdem etwas auf dem Boden, kannst du sagen: „Das Stück ist auf den Boden gefallen. Vom Boden essen wir nicht. Wenn du noch Hunger hast, gebe ich dir ein neues Stück.“
So bleibt die Grenze ruhig und eindeutig.
Eine Grenze muss keine Strafe sein. Sie hilft deinem Kind zu verstehen, was beim Essen okay ist, ohne Schimpfen, Druck oder einen Machtkampf am Tisch.
Natürlich darf der Alltag praktisch sein.
Ein gutes Lätzchen, ein leicht abwischbarer Tisch oder eine Unterlage unter dem Hochstuhl können den Druck ein wenig herausnehmen. Nicht, weil Chaos vermieden werden muss, sondern weil dadurch mehr Energie für das bleibt, worauf es wirklich ankommt: gemeinsame Zeit.
Denn Kinder brauchen keine perfekte Umgebung, um Essen zu lernen.
Sie brauchen Menschen, die ihnen Zeit geben.